- der Intensivpflege eine Stimme geben -

Die Fotografin Kim Raaf hat selbst als Ärztin auf der Intensivstation gearbeitet. Jetzt möchte sie den Alltag ihrer ehemaligen Kolleg:innen für jeden sichtbar machen. Denn vor allem in der Pandemiezeit gingen und gehen die Pfleger, Schwestern und Ärzt:innen immer wieder an ihre Grenzen und darüber hinaus. Sowohl seelisch als auch körperlich. Doch sie sind vor allem eins: Menschen. Deshalb zeigt das Fotoprojekt den Mensch hinter der Maske, der in den letzten 1,5 Jahren so viel geleistet hat. Leben gerettet, aber auch Patient:innen verloren hat. Ein Foto zeigt die Pfleger:innen nach einer Schicht, ein zweites in ihrem Privatleben. Herzstück des Projekts sind allerdings die Interviews, die sie mit den Intensivpfleger:innen geführt hat. Mit einer Ausstellung möchte die Künstlerin den Menschen hinter dem fordernden Beruf der Intensivpflege ein Gesicht geben und bewegenden Interviews veröffentlichen. Für die Ausstellung und Veröffentlichung ist sie auf der Suche nach Unterstützung auf finanzieller und journalistischer Ebene.

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Jeder Tag ist ein Kampf gegen den Tod, dagegen Menschen zu verlieren, die noch so viel in ihrem Leben vor hatten. Deshalb findet man auf Intensivstationen keine halbherzige Arbeitsmoral und nur selten Pausen. Besonders die Pflegenden verbringen viel Zeit mit den Patient:innen. Sie sind nicht nur das wichtige Bindeglied zwischen Ärzt:innen auf medizinisch-fachlicher Ebene sonder auch zwischen Patient:innen und deren Angehörigen, vor allem in Zeiten der Isolation. “Es versammeln sich hier sicherlich vor allem Leute, die die Gabe haben viel Empathie zu empfinden und zeigen zu können”, meint Klaus. Ein weiteres Problem: Es gehört zum Beruf, sein Familien- und Privatleben zu vernachlässigen. Ausgleichssport, Freizeitbeschäftigungen und Hobbys fallen oft runter, weil die Kraft nach der Arbeit fehlt und der Schichtdienst keine regelmäßigen Termine zulässt. Pflegerin Judith hat kaum noch Kraft für Dinge außerhalb der Arbeit, weil sie einfach kaputt ist. “Am liebsten würde ich den Rest des Tages, der von der Arbeit bleibt, nur schlafen.”

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Die Pflege - ein ständiges Streitthema in der Politik. Das war vor der Pandemie auch schon so. Den meisten ist klar: Es muss sich etwas ändern. “Vor Corona hat hier auch schon oft und langfristig die Hütte gebrannt und es hat keinen Menschen interessiert”, sagt Intensivkrankenpfleger Micha. Das Problem liegt in den Strukturen. Doch an Zugeständnissen scheint bis auf eine kleine Einmalzahlung

nicht viel zu passieren. Intensivkrankenschwester Doreen versucht das alles zu verdrängen: “Je mehr ich mich mit dieser politischen Situation auseinandersetze, desto aggressiver macht es mich - deswegen setze ich mich nicht so viel damit auseinander. Ich bin einfach resigniert.”
Will die Politik darauf setzen, dass Pfleger weiter den Beruf als Berufung ansehen müssen, oder werden die Voraussetzungen für bessere Arbeitsbedingungen geschaffen, um nicht nur ausreichende, sondern gute Pflege gewährleisten? Es kommt nicht genug Nachwuchs nach, viele Kolleg:innen wechseln in andere Berufe oder müssen früher in Rente, weil der Körper der hohen Belastung nicht mehr gewachsen ist. Trotzdem lieben viele Intensivpfleger:innen ihren Beruf. Ihnen ist klar: Gute Pflege rettet Leben. Aber die Angst, die Arbeit nicht bis zur Rente leisten zu können, sich in ständiger Unterbesetzung aufzureiben, ist spürbar.

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Die meisten Pflegenden wollen trotz der strukturellen und belastenden Missstände kein Mitleid. Sie haben einen Job, den sie lieben und gerne machen. Und doch muss sich die Situation verbessern. Deswegen wird weiterhin auf den Pflegenotstand hingewiesen werden. In einer Fotoinstallation möchte Kim Raaf die Portraits und Interviews für die Öffentlichkeit ausstellen. Erschöpfte und verschwitzte Pflegekräfte, gezeichnet von der körperlichen Arbeit und der schweren Schutzkleidung. Daneben die Menschen hinter der Maske und dem jahrelangen Schichtdienst. Um diese Ausstellung zu finanzieren ist die Künstlerin auf der Suche nach einem Sponsoring.

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Über das Projekt hat der WDR hat bereits in den Sendungen “Lokalzeit” sowie “Hier & Heute” berichtet und die Künstlerin als Studiogast eingeladen (siehe Video im Anhang). Am 8.12. wird es einen weiteren Bericht in “Planet Wissen” ebenfalls inklusive Studiobesuch geben.

Wir freuen uns über ihr Interesse und stehen für Rückfragen jederzeit zur Verfügung.

Kontakt: kimraaf@gmail.com