"WAAAAAS?!?  So viel Geld für ein bisschen knipsen?"

 

 

Beim Lesen der Preise könnte man auf die Idee kommen, ich bereichere mich in einem unangemessenen Ausmaß auf Kosten des Brautpaares. Dabei müssen die ja schon mehr als genug zahlen. Location, Catering, Blumen, Kleid, DJ oder Band, viel Kleinkram und ganz individuelle Kosten - jedes Brautpaar teilt sich sein Budget selbst auf. Als Fotografin rate ich euch natürlich, nicht an den Fotos zu sparen - denn die bleiben. 

Ein Beispiel. Ich bin 10 Stunden auf eurer Hochzeit anwesend und bekomme dafür 2000 €. Das erscheint auf den ersten Blick sehr viel. 

Aber es gehört deutlich mehr dazu, als 10 Stunden lang den Auslöser zu drücken.

 

Lange vor der Hochzeit nehmt ihr Kontakt auf und ich reserviere euren Termin. Es finden Gespräche statt, zu Beginn per Mail oder am Telefon. Meist treffe ich mich einige Tage oder Wochen vor dem großen Tag mit euch an der Location oder bei euch zu Hause, um euch kennen zu lernen und eure Vorstellungen besser zu verstehen. Es folgt Planungs- und Organisationsarbeit.

Der Hochzeitstag und der Folgetag sind sowieso geblockt. Eine einzige Hochzeit limitiert meine Auftragskapazitäten für die folgenden Wochen. Der Großteil der Arbeit beginnt erst im Anschluss.

Am Vortag investiere ich anderthalb Stunden in die Vorbereitung. Ich überprüfe die Funktionen meines gesamten Equipments. Alle Akkus geladen, alle SD Karten leer? Alles dabei und nichts vergessen einzupacken? Tank voll? Dann mal früh ins Bett, morgen wird ein langer Tag.

 

Was zwischen meiner An- und Abreise passiert, ist stark von euren Wünschen abhängig. Es ist auf jeden Fall der einzige Teil, an dem ihr wirklich live erlebt, dass ich arbeite.

Danach beginnt aber erst der zeitaufwändigste Teil: Die Postproduktion.

 

Bevor es mit der Retusche losgeht, wird erst mal drei, vier Stunden lang sortiert, priorisiert. Am Hochzeitstag werden viele Fotos direkt zwei, drei mal hintereinander geschossen, viele Situationen aus mehreren Blickwinkeln eingefangen. So bekommt man beispielweise sicher ein Foto eines 3-Generationen-Gesprächs mit offenen Augen bei allen. Manche Bilder sind auch einfach unter- oder überbelichtet, da sich die Lichtbedingungen ständig ändern. Auch technische Fehler kann es mal geben. So entstehen unfassbar viele (und oft einander ähnelnde, beinah identische) Fotos - sicher ist sicher. Wenn nachher das perfekte Foto dabei ist aber die Braut gerade mit halboffenen Augen blinzelt, macht das einfach traurig.

Es gibt Fotografen, die alle Fotos "im Batch" bearbeiten, wobei sozusagen einfach ein Filter auf alle Fotos gelegt wird und keine individuelle Bildbearbeitung stattfindet. Das wird dem Brautpaar und dem ganzen Aufwand meiner Meinung nach nicht gerecht, daher verfeinere ich alle ausgewählten Fotos einzeln*. Die Bearbeitung eines Fotos kann von 5 Minuten bis zu einer halben Stunde dauern; je nach Inhalt. Bei beispielsweise vereinbarten 200 Fotos haben wir also etwa 15 Minuten x 200, also 3000 Minuten: Macht 50 Stunden.

 

In diesem Rechenbeispiel samt des Vortreffens, der Vorbereitungen, der Fahrten, des Tages an sich und der kompletten Postproduktion ergeben sich 70 bis 80 Arbeitsstunden, sprich um die 2 Wochen. Theoretisch wäre das ein Stundenlohn von um die 25 €, vor Steuern, Versicherungen etc.

Da ich selbstständig bin, zahle ich selbst, was ich an Reparaturen, Studiomiete, Websitekosten nötig wird. Ich kaufe meine Requisiten und meine Softwarelizenzen auf eigene Kosten, genau wie mein Kameraequipment und das Zubehör. Es kommen viele Faktoren dazu, die unabhängig von einzelnen Aufträgen sind, für die ich insgesamt aufkommen muss.

 

Zum Fotografieren gehört mehr,

als nur den Auslöser einer guten Kamera zu drücken.

 

 

Und zum Schluss: Ich kann euch nur ermutigen, Fotografen (und Preise) zu vergleichen. Wenn ihr euch nachher ärgert, mich beauftragt zu haben - sei es aus finanziellen Gründen oder weil ihr einen anderen Stil doch bevorzugt hättet - bereitet mir das auch Kummer. Mein Ziel ist es, meine Kunden mit meiner Vorstellung von Ästhetik zufrieden zu stellen. Oder besser noch, zu begeistern.

Ich will, dass ihr mit meiner Arbeit glücklich seid.

 

 

Vielen Dank für's Lesen!

 

Fotomontage

© 2014 by KIM RAAF

© Kim Raaf 2020